Neulich in Deutschland
Bauer Petersens Lebenszweck sind Schweinevieh und Borstenspeck. Sein Hof ist irgendwo in der Norddeutschen Tiefebene gelegen und sein ein und alles ist der Schlüter mit 8 Zylindern und 165 Pferdestärken. Nur seine Heizung macht ihm sorgen, seit ihm seine Frau mit dem Kindern in den Ohren liegt, diese endlich durch eine neue moderne und energiesparende zu ersetzen. Nach langem hin und her und vielen versuchen, der Heizung ihre Macken auszutreiben, macht sich Bauer Petersen auf den Weg in die Stadt zu Gas Wasser Scheiße Heinz, seines Zeichens anerkannter Fachmann für Heizungstechnik im ländlichen Umfeld…
„Moin Moin Bauer Petersen, was kann ich gegen euch tun?“
„Heinz, meine Heizung liegt in den letzten Zügen. Die letzten beiden Winter waren trotz globaler Klimaerwärmung ziemlich knackig. Meine Hütte wird nicht mehr so richtig warm und das Geld fliegt förmlich zum Kamin hinaus. Da muss eine Lösung her, ansonsten droht mir Ute, dass Sie mit den Kindern das Weite sucht. Ich brauch einen neuen Kessel und das bald.“
„Ja Petersen, das ist ja ganz schön und gut. Aber da müssen noch die Leitungen getauscht werden, die Radiatoren durch moderne Plattenheizkörper tauschen, die Fenster müssen gewechselt werden und die Fassade und das Dach wärmeisoliert werden….“
„..Heinz – die Fenster sind noch komplett in Ordnung, die habe ich vor 20 Jahren erst einbauen lassen und ein Schweinegeld dafür hingeblättert. Die tauschen wir so nach und nach. Styropor kommt mir nicht an meine Fassade, die bleibt so, wie Sie ist. Und durch die Rohre fließt schon immer Wasser, wieso soll ich die auch noch tauschen?
„Na Petersen, wenn du das so haben willst. Ich schick dir Morgen ein Angebot für einen neuen Kessel inklusive Aufbau und Anschluss ans bestehende System.“
„Ja mach das mal, bis die Tage“
Also kalkuliert Meister Heinz einen neuen Kessel mit Aufbau und Montage. Die Kalkulation der Montage macht ihm etwas Kopfzerbrechen und er nimmt hier seinen Gesellen Ali aus dem ostanatolischen Hinterland mit hinzu.
„Meister, kalkulierst du da nicht zu knapp. Schau wir wissen nicht wie die Rohre im Heizungskeller sind. Von außen sehen sie ja noch gut aus, aber lass da mal eins nicht in Ordnung sein. Dann schraube ich wieder einen ganzen Tag für nichts.“
„Ali du hast Recht, wenn aber alles glatt läuft kriegen wir das an einem Tag geregelt.“
„Meister und was ist, wenn wir den Kessel erst vorher zerlegen müssen, damit wir ihn in den Keller bekommen? Kalkuliere das mal lieber mit in dein Angebot ein. Wir können ja dann immer noch die Rechnung billiger machen.“
„Okay Ali, so machen wir das. Ich sag dem Kunden Bescheid und vermerke das auch so im Angebot.“
Ende der Diskussion. Das Angebot kommt zum Kunden und tags drauf wird telefoniert.
„Heinz, wenn es nach mir geht, ich brauch so eine Scheiß Heizung nicht im Keller. Nimmt mir nur unnötig Platz weg und kostet nur Geld. Die Stadtwerke haben mir ein Angebot für Fernwärme gemacht. Kannst du mir auch so ein Angebot machen?“
„Ja, das ist kein Problem. Wir haben auch einen Anbieter für Fernwärme. Aber da müssen wir erst mal schauen, ob wir für dich dickere Leitungen bekommen. Die Leitung die bei dir liegt ist dafür zu dünn.“
„Dann check das mal ab und schick mir bitte mal ein Angebot.“
Hier ist meine kleine Gas Wasser Scheiße Geschichte fürs Erste zu Ende. Diese Geschichte ist nicht erfunden. Die Personen gibt es Wirklich. Okay Sie sind nicht Bauer und Gas Wasser Heizungsinstallateur. Aber ansonsten spielt sich die Geschichte so oder so ähnlich ab. Das Problem wurde von Meister Heinz klar erkannt. Es ist eben nicht nur der Kessel alleine, die die Probleme von Bauer Petersen löst. Damit sich die Investition lohnt, muss eben mehr gemacht werden als nur ein Element zu tauschen. Bauer Petersen hat dann einen neuen Kessel, der auch für die nächsten 20 Jahre seinen Dienst ohne zu murren erledigen wird. Wärmer wird es aber in seiner auch Stube nicht und ob seine Frau und die Kinder bei ihm bleiben lasse ich auch dahin gestellt.
Manchmal sind Probleme halt eben etwas komplexer und eben nicht nur mit dem Tausch einer einzelnen Komponente zu lösen. Wichtig ist, dass man über eine klare Strategie mit einem tragfähigen Konzept verfügt. Ab einem gewissen Punkt treten in gewachsenen Strukturen Probleme auf, die nur durch einen radikalen Schnitt behoben werden können. Um bei Bauer Petersen zu bleiben, vielleicht wäre es besser, wenn er auf seinem Land ein neues schickes Niedrigenergiehaus baut und mit Sack und Pack dort einzieht. Er muss ja nicht den ganzen Hausrat auf den Müll werfen. Die alte Bauern Kate teil zu sanieren ist nicht der Königsweg. Im Übrigen kenne ich jemanden in meiner Familie, der eine Dekade in solch abenteuerlichen Verhältnissen gehaust hat. Er wohnt heute in einem schicken Fertighaus.


